Die Jenaer Deklaration zu kultureller Nachhaltigkeit

September 09, 2021

Die Jenaer Deklaration zu kultureller Nachhaltigkeit

Die Jenaer Dekla­ra­tion zu kul­tureller Nachhaltigkeit

Am 1. Jan­u­ar 2016 trat die soge­nan­nte Agen­da 2030 der Vere­in­ten Natio­nen in Kraft. Darin verpflichteten sich die Mit­glied­staat­en, in den fol­gen­den 15 Jahren alles dafür zu tun, um 17 Ziele für die nach­haltige Entwick­lung der Welt zu erre­ichen – u. a. Armut been­den, Bil­dung und ein gesun­des Leben für alle und das Erre­ichen von nach­halti­gen Pro­duk­tions- und Kon­sumweisen. Inzwis­chen weisen immer mehr Exper­tin­nen und Experten darauf hin, dass die Welt­ge­mein­schaft trotz immenser poli­tis­ch­er, rechtlich­er und finanzieller Anstren­gun­gen ger­ade dabei ist, die let­zte Chance zum rechtzeit­i­gen Erre­ichen dieser Ziele für nach­haltige Entwick­lung der Vere­in­ten Natio­nen zu ver­passen. Eine bloße Inten­sivierung der bish­eri­gen Mit­tel scheint nicht auszure­ichen, um die Agen­da 2030 umzusetzen.

Ein Net­zw­erk namhafter inter­na­tionaler Insti­tu­tio­nen wie dem Club of Rome, der Weltakademie für Kun­st und Wis­senschaft, der Acad­e­mia Europaea, der Deutschen und der Kanadis­chen UNESCO-Kom­mis­sio­nen fordert deshalb nun einen klaren Strate­giewech­sel durch einen neuen Kul­tur­ansatz. Auf Ini­tia­tive von Prof. Dr. Ben­no Werlen vom UNESCO-Chair on Glob­al Under­stand­ing for Sus­tain­abil­i­ty der Friedrich-Schiller-Uni­ver­sität Jena haben mehr als 30 Ein­rich­tun­gen The Jena Dec­la­ra­tion“ unterze­ich­net, in der sie einen neuen Kul­tur­ansatz definieren, über den die Nach­haltigkeit­sziele noch erre­icht wer­den können.

An der Auf­tak­tver­anstal­tung am 9. Sep­tem­ber 2021, 15.00 Uhr, wer­den neben der Co-Präsi­dentin des Club of Rome, Mam­phela Ram­phele, dem Präsi­den­ten der Weltakademie für Kun­st und Wis­senschaft, Gar­ry Jacobs, auch wichtige Mitun­terze­ich­ner­in­nen und ‑unterze­ich­n­er der Dekla­ra­tion wie Prof. Hart­mut Rosa, der Gen­er­alsekretär der Deutschen UNESCO-Kom­mis­sion, Dr. Roman Luckscheit­er, der Präsi­dent der Leib­niz-Gemein­schaft, Prof. Matthias Klein­er, aber auch die deutsche Kli­maak­tivistin Luisa Neubauer sowie Kün­st­lerin­nen und Kün­stler u. a. aus Afghanistan, Iran, Südafri­ka zu Wort kommen.

Es braucht eine bre­it angelegte glob­ale soziale Bewegung“

Bis­lang dominierende Top-down-Maß­nah­men zur Bewäl­ti­gung der glob­alen Her­aus­forderun­gen kön­nen der Vielfalt kul­tureller und regionaler Unter­schiede nicht aus­re­ichend Rech­nung tra­gen. So sind viele glob­ale Pro­gramme wenig auf die tat­säch­lichen lokalen Lebensver­hält­nisse abges­timmt und find­en daher wenig Akzep­tanz. Es braucht eine bre­it angelegte glob­ale soziale Bewe­gung, um Denken und Han­deln so zu verän­dern, dass der Über­gang zu einem glob­al gerecht­en, inklu­siv­en und nach­halti­gen Leben möglich wird. Dies erfordert eine sorgfältige Abstim­mung auf lokale und regionale Bedürfnisse und Bedin­gun­gen“, betont Gar­ry Jacobs, Präsi­dent der Weltakademie für Kun­st und Wis­senschaft und ein­er der Erstun­terze­ich­n­er der Dekla­ra­tion. Eine solche Bewe­gung in Gang zu brin­gen ist das ober­ste Anliegen. 

Um den erforder­lichen gesellschaftlichen Wan­del zu beschle­u­ni­gen und zu ver­tiefen, müssen die Vere­in­ten Natio­nen und poli­tis­che Entschei­dungsträgerin­nen und ‑träger direk­ter auf die wichtig­sten Akteure des Wan­dels zuge­hen: näm­lich die Bürg­erin­nen und Bürg­er mit ihren alltäglichen Rou­ti­nen und Gewohn­heit­en. Ziel von The Jena Dec­la­ra­tion“ ist es, die Aufmerk­samkeit stärk­er auf die kul­turelle, regionale und his­torische Ein­bet­tung men­schlichen Han­delns zu lenken. Darauf auf­bauend fordert das Unterze­ich­n­er-Net­zw­erk alle auf, inte­gra­tive, auf die lokalen Bedin­gun­gen abges­timmte Lösun­gen zu entwick­eln. Das ver­langt zuerst nach ein­er respek­tvollen Würdi­gung und Wertschätzung kul­tureller Vielfalt. Dass bei der Ver­wirk­lichung des Pro­gramms der Jenaer Dekla­ra­tion zu kul­tureller
Nach­haltigkeit den Jugendlichen weltweit eine zen­trale Rolle zugewiesen wird, ist beson­ders her­vorzuheben und aus mein­er Sicht auch unbe­d­ingt erforder­lich. Denn ohne die Vorstel­lun­gen, die Forderun­gen und den Ein­satz der Gen­er­a­tion von mor­gen wer­den sich die großen gesellschaftlichen Her­aus­forderun­gen nicht bewälti­gen lassen. Die Gen­er­a­tion von heute tut sich dabei offen­sichtlich sehr schw­er. Daher, Jung und Alt, Hand in Hand zur nach­halti­gen Besserung, das kann der Schlüs­sel sein“, betont Prof. Uwe Cant­ner, Vizepräsi­dent für wis­senschaftlichen Nach­wuchs und Gle­ich­stel­lung der Friedrich-Schiller-Universität.

Welt­sekre­tari­at in Jena

Das Pro­gramm der Erk­lärung zielt dementsprechend darauf ab, Men­schen aller Alters­grup­pen – vor allem aber jün­ger­er Gen­er­a­tio­nen – und ver­schieden­ster kul­tureller, sozialer und regionaler Hin­ter­gründe zu erre­ichen und es ihnen zu erle­ichtern, lokal im Sinne glob­aler Nach­haltigkeit zu han­deln. Der notwendi­ge Wan­del reicht dabei in alle Lebens­bere­iche hinein, wie Mam­phela Ram­phele, Co-Präsi­dentin des Club of Rome am Beispiel der Bil­dung her­vorhebt: Die Men­schheit ist gegen­wär­tig mit ein­er Vielzahl miteinan­der ver­bun­den­er plan­e­tarisch­er Krisen kon­fron­tiert. Aus dieser Sit­u­a­tion müssen wir die richti­gen Schlüsse ziehen und beispiel­sweise nicht nur unser über­holtes Bil­dungssys­tem mit seinen frag­men­tierten Fäch­ern und Diszi­plinen hin­ter­fra­gen. Vielmehr ist auch tra­di­tionelles lokales Wis­sen über die Natur neu in den Blick zu nehmen.“

Die Umset­zung der Dekla­ra­tion erfol­gt ent­lang der drei Pro­gramm­lin­ien Kun­st“, Bil­dung“ und Zivilge­sellschaft“. Diese wer­den von einem an der Uni­ver­sität Jena in Koop­er­a­tion mit dem Max Weber Kol­leg der Uni­ver­sität Erfurt und der Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar ein­gerichteten Welt­sekre­tari­at koor­diniert. Es ist für Thürin­gen und Deutsch­land eine beson­dere Gele­gen­heit, zusam­men mit so ein­flussre­ichen Part­nern und ein­er bre­it­en sozialen Bewe­gung aktiv gestal­tend auf die kün­ftige Nach­haltigkeit­spoli­tik ein­wirken zu kön­nen“, so Prof. Ben­no Werlen, Leit­er der Koordinationsstelle.

Im Anschluss an die Ver­anstal­tung haben Vertreterin­nen und Vertreter der Presse die Möglichkeit, Fra­gen zu stellen.